Balkonkompost leicht gemacht
In Zeiten wachsenden Umweltbewusstseins und dem Wunsch nach mehr Selbstversorgung wird Urban Gardening immer beliebter. Eine besonders nachhaltige Komponente dieser Bewegung ist das Kompostieren direkt auf dem Balkon. Was viele nicht wissen: Auch ohne eigenen Garten lässt sich ein geschlossener Kreislauf erschaffen, der Küchenabfälle in wertvollen Dünger verwandelt. Mit dem richtigen Kompostbehälter für den Balkon gelingt die kleine Kreislaufwirtschaft auch in der Stadtwohnung – geruchsfrei und platzsparend.
Warum Balkonkompostierung im Urban Gardening unverzichtbar ist
Wer seinen eigenen kleinen urbanen Garten bewirtschaftet, kennt das Problem: Hochwertige Bio-Erde ist teuer, und der Weg zur Biotonne oft lästig. Dabei fallen in jedem Haushalt täglich wertvolle organische Abfälle an, die das perfekte Ausgangsmaterial für nährstoffreichen Humus bilden. Ein Balkonkompost schließt genau diese Lücke und bietet zahlreiche Vorteile:
Durch das Kompostieren auf dem Balkon reduzierst du deinen Hausmüll erheblich – bis zu 30% weniger Abfall ist realistisch. Du erschaffst einen natürlichen Kreislauf, bei dem deine Pflanzen von selbst produziertem Dünger profitieren. Die Nährstoffe, die du mit der Ernte entnimmst, führst du so wieder zurück. Darüber hinaus sparst du Geld für teure Spezialerden und Düngemittel, während du gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leistest.
Der vielleicht größte Vorteil: Du entwickelst ein tieferes Verständnis für natürliche Kreisläufe und die Bodenbiologie – essenzielles Wissen für jeden erfolgreichen Urban Gardener.
Die besten Kompostsysteme für deinen Balkon
Anders als im Garten benötigst du auf dem Balkon spezielle Lösungen, die platzsparend, geruchsneutral und optisch ansprechend sind. Je nach verfügbarem Platz und persönlichen Vorlieben gibt es verschiedene Systeme:
1. Der Bokashi-Eimer: Fermentation statt klassischer Kompostierung
Ein Bokashi-Eimer arbeitet mit fermentativen Mikroorganismen, die organische Abfälle unter Luftabschluss zersetzen. Das System besteht meist aus zwei ineinandergestapelten Eimern, wobei der obere einen perforierten Boden hat. Beim Befüllen streust du spezielle Bokashi-Fermente oder effektive Mikroorganismen über die Küchenabfälle. Diese fermentieren anstatt zu verrotten, wodurch kein unangenehmer Geruch entsteht.
Empfohlene Produkte zu Bokashi Eimer
Nach etwa 2-4 Wochen kannst du die entstandene nährstoffreiche Flüssigkeit (den „Bokashi-Tee“) als Flüssigdünger abzapfen. Der fermentierte Festinhalt wird anschließend für weitere 2-4 Wochen in Erde eingearbeitet, bevor er als vollwertiger Dünger verwendbar ist.
Die Vorteile: Der Bokashi-Prozess ist schnell, geruchlos und ermöglicht sogar die Verarbeitung von Fleisch- und Milchproduktresten – etwas, das in klassischen Kompostsystemen nicht empfehlenswert ist.
2. Der Wurmkompost: Lebendige Helfer für besten Humus
Beim Wurmkompost (auch Wurmkiste oder Wurmfarm genannt) setzen spezielle Kompostwürmer wie der Eisenia fetida (Kompostwurm) organisches Material in wertvollen Wurmhumus um. Diese Systeme bestehen meist aus mehreren Etagen, zwischen denen die Würmer wandern können.
Du beginnst mit einer Grundschicht aus angefeuchteter Erde und Kartonstreifen, setzt die Würmer ein und gibst regelmäßig kleine Mengen zerkleinerte Küchenabfälle hinzu. Die Würmer wandern nach oben, wenn unten alles verarbeitet ist, wodurch du die unterste Schicht als fertigen Wurmhumus entnehmen kannst.
Die Vorteile: Wurmhumus gilt als einer der wertvollsten organischen Dünger überhaupt. Er enthält nicht nur Nährstoffe, sondern auch Mikroorganismen und Enzyme, die das Pflanzenwachstum fördern und die Bodengesundheit verbessern. Ein gut eingestellter Wurmkompost ist völlig geruchsfrei und kann sogar in der Wohnung gehalten werden.
Für alle, die das Urban Gardening auf ihrem Balkon auf die nächste Stufe heben wollen, empfiehlt sich ein Blick auf unseren Artikel Grüne Wände für frische Ernte, in dem wir zeigen, wie du mit vertikalen Gartensystemen den Ertrag deines Balkongartens maximieren kannst – perfekt zu kombinieren mit deinem selbst produzierten Kompost!
So gelingt dein Balkonkompost garantiert
Unabhängig vom gewählten System gibt es einige grundlegende Tipps, die dir den erfolgreichen Einstieg in die Balkonkompostierung erleichtern:
Die richtige Positionierung
Stelle deinen Komposter an einen geschützten Ort auf dem Balkon. Direktes Sonnenlicht sollte vermieden werden, da es zu Überhitzung führen kann. Bei Wurmkompostern ist dies besonders wichtig – die Würmer mögen es kühl und feucht. Im Winter sollte der Komposter vor Frost geschützt werden, etwa durch eine Thermoisolierung oder durch Umzug in einen ungeheizten Keller.
Das richtige Ausgangsmaterial
Für einen erfolgreichen Balkonkompost ist die richtige Mischung entscheidend. Als Faustregel gilt: Etwa gleiche Teile „braunes“ (kohlenstoffreich) und „grünes“ (stickstoffreich) Material.
Geeignetes „braunes“ Material:
– Zerkleinerte Eierkartons und Klopapierrollen
– Zerrissene Pappe ohne Druck
– Trockenes Laub
– Zerkleinerte Zweige
Geeignetes „grünes“ Material:
– Obst- und Gemüseabfälle
– Kaffeesatz und Teereste (ohne Beutel, außer diese sind unbeschichtet)
– Eierschalen (zerkleinert)
– Schnittblumenreste
Nicht geeignet sind gekochte Speisen, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Zitrusfrüchte in großen Mengen und natürlich Kunststoffe oder andere Fremdstoffe. Diese können Schädlinge anziehen oder den Kompostierungsprozess stören.
Pflege und Ernte
Ein gut gepflegter Balkonkompost belohnt dich mit wertvollem Dünger für deine Balkonpflanzen. Kontrolliere regelmäßig die Feuchtigkeit – der Kompost sollte feucht wie ein ausgedrückter Schwamm sein, aber nicht nass. Bei Wurmkompostern ist es ratsam, die Würmer alle paar Monate zu füttern und den Zustand zu überprüfen.
Die Ernte erfolgt je nach System unterschiedlich. Beim Bokashi-Eimer zapfst du regelmäßig den Flüssigdünger ab und entnimmst den fermentierten Inhalt nach 2-4 Wochen. Beim Wurmkompost kannst du alle 3-6 Monate den fertigen Wurmhumus aus der untersten Etage entnehmen. Als Faustregel gilt: Der Kompost ist fertig, wenn er dunkelbraun, krümelig und erdig riecht.
Kreative Anwendungen für deinen selbstgemachten Kompost
Der gewonnene Humus aus deinem Balkonkompost ist ein wahres Multitalent im Urban Gardening. So kannst du ihn optimal nutzen:
Als Bodenverbesserer: Mische etwa 20-30% Kompost unter die bestehende Erde deiner Pflanzen. Dies verbessert die Bodenstruktur, fördert das Wurzelwachstum und erhöht die Wasserspeicherfähigkeit.
Als Startdünger: Gib bei neuen Pflanzungen eine Handvoll Kompost direkt ins Pflanzloch. Die enthaltenen Nährstoffe fördern das Anwachsen und stärken junge Pflanzen.
Als Flüssigdünger: Rühre einen Teil Kompost mit fünf Teilen Wasser an, lasse die Mischung 24 Stunden stehen und gieße damit deine Pflanzen. Diese Komposttee-Methode ist besonders für Kräuter und Gemüsepflanzen förderlich.
Für Stecklinge: Verwende deinen Kompost als nährstoffreiche Komponente in deinem Anzuchtsubstrat. Die enthaltenen Mikroorganismen unterstützen die Wurzelbildung und schützen vor Pilzerkrankungen.
Fazit: Balkonkompost als Schlüssel zum nachhaltigen Urban Gardening
Ein eigener Balkonkompost ist weit mehr als nur eine umweltfreundliche Methode zur Abfallverwertung. Er schließt den Kreislauf deines urbanen Gartensystems und macht dich unabhängiger von zugekauften Produkten. Mit modernen, platzsparenden Systemen wie Bokashi-Eimern oder Wurmkompostern ist die Kompostierung auch auf kleinsten Balkonen ohne Geruchsbelästigung möglich.
Der selbst produzierte Humus ist dabei von einer Qualität, die gekaufte Produkte oft übertrifft – reich an Mikroorganismen, Enzymen und perfekt auf die Bedürfnisse deiner Pflanzen abgestimmt. Wer einmal den Unterschied im Wachstum und in der Vitalität seiner Pflanzen erlebt hat, wird die Balkonkompostierung nicht mehr missen wollen.
Mit ein wenig Geduld und den richtigen Grundlagen wird dein Balkonkompost zum Herzstück deines Urban Gardening-Projekts und zu einem wichtigen Baustein für ein nachhaltigeres Stadtleben. Probiere es aus – deine Pflanzen und die Umwelt werden es dir danken!






